Architektur und Design – Villa Harnischmacher II von Marcel Breuer

Architektur und Design – Villa Harnischmacher II von Marcel Breuer

Juni 1, 2017 von Heike Ladendorf in Wohnen & Einrichten

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Sie ist ein Juwel der Nachkriegszeit: Die Villa Harnischmacher II glänzt durch Marcel Breuers Architektur und Stahlrohrkunst. Und wartet mit Thonet-Möbeln auf, so weit das Auge reicht: Die 1954 von Marcel Breuer entworfene Bauhaus-Villa in Wiesbaden ist die ideale Bühne für die Stahlrohrmöbel, die Breuer Ende der 1920er-Jahre für das Frankenberger Unternehmen entworfen hat – ebenso wie für einige aktuelle Entwürfe aus dem Thonet-Portfolio. Der Bungalow ist das letzte existierende Wohnhaus Breuers in Deutschland und gilt als herausragendes Werk der modernen Architektur. Die klare, offene und schlichte Form der eingesetzten Möbel verbindet sich harmonisch mit der zurückhaltend eleganten und dabei sehr funktionalen Anlage des Hauses. Die Freischwinger, Leuchten und Tische von Thonet tragen auf besondere Art zur Wohnlichkeit des sanierten Bungalows bei. Insgesamt ist das Wohnhaus mit über zehn verschiedenen Möbelstücken von Thonet ausgestattet. Eine Familie, die das Haus nun auch bewohnt, hatte die Villa Harnischmacher II von 2011 bis 2014 in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege instand setzen lassen.

Der lichtdurchflutete Essbereich wird durch eine lange Tafel zum Herzstück des Hauses: Acht Freischwinger S 64 der „Pure Materials“-Kollektion reihen sich um den langen Holztisch S 1071 (Design Glen Oliver Löv, 2004)

An den Essbereich angrenzend öffnet sich ein großer Wohnbereich, wo der bequeme Lounge-Sessel S 35 mit braunem Büffelleder-Bezug vor dem repräsentativen Marmor-Kamin aus den 1950er-Jahren Platz findet. Die besondere Anordnung der Marmor-Platten spiegelt den Grundriss des Hauses wider. Den Entwurf des Sessels kreierte Breuer 1929, in der gleichen Schaffensphase, in der auch der S 64 entstand.

Auf der überdachten Terrasse lädt eine Sitzgruppe aus der „Thonet All Seasons“-Kollektion zum Verweilen ein. Die Form der Gartenstühle S 40 geht auf die Gestaltung des Klassikers S 43 von Mart Stam aus dem Jahr 1935 zurück. Der geradlinige Garten erstreckt sich über die Westseite des Hauses und grenzt an die Terrasse an. Getrennt durch einer Steinmauer, die noch im Originalzustand erhalten ist, befindet sich dort ein rechteckiger Pool.

Die Ästhetik des Materials Stahlrohr zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Haus. Außer bei den zahlreichen Sitz- und Tischmöbeln findet sich das Material auch bei Leuchten, Sideboards und Beistelltischen wie dem Beistelltisch B9, der in verschiedenen Varianten in der Villa Harnischmacher II zu finden ist. 1925/26 begann mit ihm die Geschichte der Stahlrohr-Produktion und die Beziehung zwischen Marcel Breuer und dem Familienunternehmen Thonet.

Die Villa Harnischmacher II. Neben dem Gestalten von Möbeln, der Malerei sowie den grafischen Künsten war Marcel Breuers Passion die Architektur. Ab 1923 entwarf er erste Gebäude und Wohnhäuser. Obwohl er nie eine reguläre Architektenausbildung absolviert hatte, machte er schon früh praktische Erfahrungen, unter anderem in Walter Gropius’ privatem Bauatelier in Weimar. Nachdem er 1929 bereits die Wohnung des Unternehmers Paul Harnischmacher komplett neu ausgestattet hatte, beauftragte das Ehepaar Harnischmacher Breuer mit der Planung einer repräsentativen Villa in Wiesbaden, die im Dezember 1932 fertiggestellt wurde. Da diese im Zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde, beauftragten die Harnischmachers den Bauhaus-Architekten 1953 erneut und baten ihn, in den Garten des alten Hauses ein neues zu bauen. Der neue außergewöhnliche Bungalow, der durch strenge Funktionalität und kühne Schlichtheit – Leitgedanken des Bauhauses – besticht, wurde 1954 fertiggestellt und bereits ein Jahr später mit der ersten Auszeichnung des Bundes Deutscher Architekten gekürt.

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