Die Kraft der Farben nach Le Corbusier

Oktober 5, 2017 von Heike Ladendorf in Interview & Portrait, Wohnen & Einrichten

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Farbe ist nicht einfach Farbe. Wie und womit ein Raum gestrichen ist, trägt entscheidend zum Wohlgefühl bei.

Der Architekt und Gestalter Le Corbusier experimentierte schon zu Beginn der 1920er Jahre mit Farben und ihrer Wirkung. Seine puristische Farbenlehre fand überwiegend in Pastelltönen Ausdruck, denen er unterschiedliche Intensitätswerte beimaß.

Als Mitbegründer des Purismus definierten Le Corbusier und der Maler Amadée Ozenfant 1921 drei Farbreihen: die große, die dynamische und die Übergangsreihe, denen sie bestimmte Funktionen zuordneten. Diese Funktionen überdachte Le Corbusier in seinem Entwurf von Tapetenmusterbüchern aus dem Jahr 1931. Die wichtigste Funktion der Farbe in der Architektur wurde dem Schaffen von Atmosphäre zugewiesen.

Le Corbusier Farbkonzepte: Mondgrau und Champagnersilber, Bild: Matthias Grauwinkel

Le Corbusier Farbkonzepte: Mondgrau und Champagnersilber, Bild: Matthias Grauwinkel

Die damals überwiegend weißen, puristischen Gebäude sollten durch Assoziationen zu den Grundfarben der Umwelt gewissermaßen materialisiert werden. Während helle Nuancen vorwiegend die Atmospähre im Raum prägen, wirken die dunklen Nuancen korrigierend und gliedernd auf die Architektur.

In seinem Musterbuch mit 43 Farbtönen ordnete er die Farben so an, dass sie nie einzeln, sondern immer gleichzeitig zusammen mit anderen Farben zu sehen waren. Auf den einzelnen Farbkarten waren immer drei Varianten eines Grundtones für die Hauptwände zu sehen, dazwischen kleinere Bilder mit 14 weiteren Farbtönen, die als Kontrastfarben gedacht waren. So entstanden farbige Stimmungen, die bestimmte Raumwirkungen erzielen sollten.

Im Laufe der Jahre gerieten diese Farben in Vergessenheit, Rezepturen hatte Le Corbusier nicht überliefert.
Die Schweizer Farbmanufaktur kt.COLOR hat diese Farben erforscht und stellt heute 81 Farben mit Le Corbusier Referenzen her. Für die Reproduktion wurden historische Farbproben aus Bauten u.ä. analysiert und daraus Produktionsrezepte entwickelt. Die so entstandenen Farben entsprechen genau dem, was Le Corbusier seinerzeit einsetzte.

Die Funktionen von Farbe in der Architektur

Die statische Funktion, die Atmosphäre stiftet

Die Farben waren aus Aufhellungen von Farben aus Erdpigmenten (Ocker, Rotocker, Umbra und Schwarz), Ultramarin- und Pariserblau. Aufgrund der Pigmentwahl wirkte diese Palette von zarten Farben aus vorwiegend natürlichen Pigmenten natürlich und unauffällig.

Die konstruktive Funktion, die Aufmerksamkeit lenkt

Die Farben waren aus Ocker (rot und gelb), weiteren Erden, Schwarz, Weiss, Ultramarin- und Pariserblau, den Grünpigmenten der Landschaftsmaler. Aufgrund der Pigmentwahl wirkte diese Palette von mitunter satten Farben aus anorganischen Pigmenten natürlich und harmonisch.

Die dynamische Funktion, die den Raum modifiziert oder dekonstruiert

Die Farben waren aus synthetisch hergestellten, anorganischen Pigmenten wie Kobaltblau hell, Paolo Veronese Grün (ein Ersatzpigment für Schweinfurter Grün), Chrom und Kadmium Rot- und Orangenuancen, Zinnoberrot und Zitron. Aufgrund der Pigmentwahl verfügte diese Palette von Farben aus anorganischen Pigmenten über Möglichkeiten, den optischen Eindruck der Architektur massiv zu verändern.

Die dekorative Funktion, die eine Fläche bekleidet

Synthetisch hergestellte, organische Pigmente wie Chromgrün feurig, Karmin aus Alizarin-Krapplack und alle Farben aus transparenten Pigmenten. Aufgrund der Pigmentwahl wirkte diese Palette von bunten Lasurfarben oberflächlich und dekorativ. Damit war freilich keine Entwertung, sondern eine Absicht gemeint.

 

Bild 1: Die Macht der dunklen Farben – eine Farbe der Salubra 1959 Serie (kt.COLOR)
Bild 2: Atmosphärische Eingriffe mit hellen Umbren (kt.COLOR)
Bild 3: Die Umbra bleibt im Hintergrund, damit wirkt die Mode vordergründig, weiss würde sie überstrahlen. (Claude Plattner)

Tipp: das Seminar von kt.color zu Eileen Gray und ihrem Farbkonzept

“Die Villa E-1027 von Eileen Gray und Jean Badovici in Roquebrune bei Nizza ist eines der schönsten Wahrzeichen der Moderne. Kein Detail entging Designerin Eileen Gray, die das Haus mit viel Liebe, Humor und Sensibilität für Jean Badovici baute. Die Materialverliebtheit der Architekten spiegelt sich im Farbkonzept wieder. Unser alljährliches Vertiefungsseminar L400F macht das Haus, die Designerin und ihr Farbkonzept zum Thema. Es ist eine Geschichte, die sich wie ein Krimi liest…”

1. November 201: Berlin
8. November 2017: Uster (CH)
2. Dezember 2017: Kirchentellinsfurt

Zur Anmeldung: www.ktcolor.ch (PDF)

Mehr über LeCorbusiers Farben und Farbkonzepte: www.ktcolor.ch (PDF)

 

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