Original gegen Plagiat – im Gespräch mit Torsten Helten

Mai 17, 2016 von Heike Ladendorf in Interview & Portrait

https://blog.used-design.com/wp-content/uploads/2016/05/torsten-helten-quer.jpg

Torsten Helten und Pascal Rieger betreiben seit zehn Jahren die erfolgreiche Internetplattform used-design.com. Renommierte Einrichtungshäuser verkaufen auf dem Portal ihre neuwertige Ausstellungsware ebenso wie Privatleute, die sich von einem Möbelstück trennen möchten. Auf used-design werden ausschließlich Markenmöbel bekannter, internationaler Hersteller angeboten. Wir haben Torsten Helten, der auch ein erfolgreiches ci-Haus führt, gefragt, was an Originalen so besonders ist.

Torsten Helten: Originale sind geschützte Entwürfe, oft Möbelklassiker, deren Design außergewöhnlich und zeitlos ist. Wenn sie am Markt mindestens 50 Jahre Bestand haben, gelten sie als Möbelklassiker.

 

Klassiker werden oft kopiert und zu Niedrigpreisen verkauft. Welche Entwürfe werden besonders gern als Plagiat angeboten?

Torsten Helten: Die Klassiker aus der Bauhauszeit sind sehr beliebt. Der Markt wird immer wieder mit Plagiaten der Freischwinger von Marcel Breuer oder der Wagenfeld-Leuchte konfrontiert. Auch der Adjustable Table von Eileen Gray und die Möbel von Le Corbusier, die ebenfalls aus dieser Zeit stammen, oder Entwürfe von Charles und Ray Eames werden gern kopiert. Die Originale werden bis heute von international renommierten und durch die Nachfahren der Entwerfer autorisierten Herstellern gefertigt und zeichnen sich auch durch eine sehr hohe Material- und Verarbeitungsqualität aus. In der Regel wird auch ein Echtheitszertifikat mitgeliefert.

 

Schalenstuhl DAW (Charles und Ray Eames), Sessel LC2 (Le Corbusier), Beistelltisch Adjustable (Eileen Gray), Freischwinger S64 (Marcel Breuer)

vlnr: Schalenstuhl DAW (Charles und Ray Eames), Sessel LC2 (Le Corbusier), Beistelltisch Adjustable (Eileen Gray), Freischwinger S64 (Marcel Breuer)

Möbelklassiker sind im allgemeinen teuer. Können Sie die Preise gegenüber günstigeren Alternativen überhaupt rechtfertigen?

Torsten Helten: Unter qualitativen Aspekten, ja. Die günstigeren Alternativen sind fast immer billige Plagiate, die auch noch das in fast allen europäischen Ländern geltende Urheberrecht verletzen. Die Originale haben für mich auch einen künstlerischen Wert. Es handelt sich um Kulturgüter, die hohe ästhetische und qualitative Ansprüche erfüllen und die es zu schützen gilt.

Die Materialien sind bei Plagiaten häufig minderwertig, die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig und wenn Sie Pech haben, bricht Ihnen das verchromte Gestell Ihres günstig erworbenen Freischwingers nach wenigen Jahren durch.

Damit kommt noch ein dritter Aspekt ins Spiel, die Nachhaltigkeit eines Produktes. Denken Sie nur an die Müllberge, die durch die Entsorgung tausender Plagiate schon nach wenigen Jahren entstehen!

Nennen Sie uns ein paar Merkmale, an denen auch der Laie das Original von der Kopie unterscheiden kann?

Torsten Helten: Zunächst sollten Sie auf den Preis achten. Wenn zum Beispiel ein Adjustable Table von Eileen Gray im Internet für 200 Euro angeboten wird, ist Vorsicht geboten. Das Original von Classicon kostet mehr als das Dreifache. Originale Möbelklassiker zu stark reduzierten Preisen finden Sie zum Beispiel auf unserem Portal used-design. Diese stammen dann entweder aus den Ausstellungsräumen seriöser Einrichtungshäuser oder sind gebraucht.

Die ganz billigen Kopien erkennt jeder, der das Original einmal gesehen hat, sofort. Leider gibt es viele Plagiate, die auf den ersten Blick sehr gut gemacht sind und die der Laie mitunter kaum vom Original unterscheiden kann. Nehmen Sie die Verarbeitung in Augenschein. Dünnes Stahlrohr, unsaubere Schweißnähte, schlecht gemachte Beschläge und Dichtungen sind ein Indiz für eine Raubkopie.


Adjustable Table Original

Adjustable Table Original, Bild ClassiCon


Adjustable Table Replik

Adjustable Table Replik, Bild Milandirect


Schlechte Lederqualitäten und Polsterungen sind ein weiterer Hinweis. Wenn Sie einen vermeintlichen LC-Sessel vor Augen haben und das Leder wenig natürlich aussieht, handelt es sich wahrscheinlich um Spaltleder, das aus der unteren Lederschicht, dem sogenannten Fleischspalt, stammt und von minderer Qualität ist als das obere Narbenleder. Spaltleder wird lackiert und hat nicht die offenporigen, atmungsaktiven Eigenschaften des hochwertigen Narbenleders. Der Sitzkomfort sollte auf jeden Fall mit dem Original verglichen werden, auch da gibt es erhebliche Unterschiede, da das Original in Daune gepolstert ist, das Plagiat aber in billigem Schaumstoff.

Echte Klassiker haben meist eine Prägung am Gestell oder eine Seriennummer. Ein autorisierter Händler kann Ihnen auch die Authentizität des Möbelstückes bescheinigen. In der Regel werden diese Originale mit einem Echtheitszertifikat ausgeliefert.

Thonet Stuhl Prägung Unterseite

Thonet Stuhl Prägung Unterseite

Thonet Stuhl Aufkleber

Außerdem ist das Gestell mit einem Aufkleber versehen

Viele Käufer orientieren sich im Internet. Die Unterscheidung zwischen Oritinal und Plagiat dürfte dort noch schwieriger sein.

Bei Onlineshops ist vor allem in Großbritannien Vorsicht geboten. Dort gilt das in anderen Ländern gültige Urheberrechtsgesetz nicht, der Handel mit Plagiaten ist dort also nicht verboten. Viele Shops titeln auch mit Worten wie „Redesign“,  „Reedition“ oder „Designklassiker made in Italy“ , oft leider versteckt im Text, so dass man auf den ersten Blick glauben könnte, es handele sich um Originale.

Wenn Sie Ihren Wunschklassiker im seriösen Fachhandel kaufen, erhalten Sie auf jeden Fall das Original. Aber auch auf used-design werden Sie keine Plagiate finden, denn unsere Kunden verpflichten sich, ausschließlich Originale anzubieten.

 

Mehr zum Thema Plagiate

blog.used-design.com/falschung-oder-original-so-erkennen-sie-plagiate/

Newsletter

Verpassen Sie keinen Blog Post. Wir informieren Sie wöchentlich über Neuigkeiten.