Diese Möbelklassiker sollten Sie kennen: Egg Chair von Arne Jacobsen

Von in Wohnen & Einrichten

Es gibt Möbel, die mehr sind als ein bequemer Platz zum Sitzen – sie erzählen von einer Epoche, von technischen Aufbrüchen und einem neuen Verständnis von Wohnen. Der Egg Chair gehört zu diesen Entwürfen. Ende der 1950er Jahre entwickelt, steht er exemplarisch für den dänischen Modernismus: reduziert in der Linie, radikal in der Form und konsequent auf das Wohlbefinden der Menschen ausgerichtet. Bis heute prägt der Sessel unsere Vorstellung davon, wie Design einen Raum verändern und einen Moment der Ruhe mitten im Trubel schaffen kann.

Egg Chair

Der Egg Chair entsteht 1958 im Kontext eines Gesamtprojekts: Für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen entwirft Arne Jacobsen nicht nur die Architektur, sondern auch die gesamte Innenausstattung – vom Mobiliar bis zu den Accessoires. In der klar strukturierten, von Glas und Geometrie geprägten Architektur sollte ein Sessel stehen, der einen Gegenpol bildet: weich, umhüllend, beinahe skulptural.

Statt eine klassische Polsterschale aus Holz zu konstruieren, arbeitet Jacobsen mit einem damals neuen Aufbau. Die innere Form besteht aus einem geformten Schaumkern, der anschließend sorgfältig gepolstert und mit Stoff oder Leder bezogen wird. Diese Technik erlaubt die durchgehend fließende Silhouette ohne Brüche und harte Kanten. Die hohe, weit geschwungene Rückenlehne und die markant gerundeten Seitenflügel schaffen visuell wie physisch ein Gefühl von Schutz – ideal für Hotellobbys, Lounges oder großzügige Wohnräume.

Charakteristisch ist auch das filigrane Vierstern-Drehgestell aus Aluminium, das den voluminösen Korpus optisch vom Boden abhebt. So entsteht ein spannender Kontrast: oben die plastische, organische Schale, unten eine klare, technische Basis. Der Sessel lässt sich drehen und leicht nach hinten neigen, was den Lounge-Charakter unterstreicht und unterschiedliche Sitzpositionen ermöglicht.

Heute wird der Egg Chair von Fritz Hansen in einer breiten Palette an Stoff- und Lederausführungen angeboten – von klassischen Wollstoffen bis hin zu hochwertigen Lederqualitäten – und findet sich in Hotels, Büros, Lobbys und privaten Wohnsituationen weltweit wieder. Unverändert geblieben ist seine Wirkung: Der Sessel wird schnell zum ruhigen Mittelpunkt eines Raumes und lädt dazu ein, sich in seine Form zurückzuziehen.

Egg Chair in der Klassiker-Datenbank ansehen

Arne Jacobsen

Arne Jacobsen wird 1902 in Kopenhagen geboren und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des dänischen Modernismus. Sein Weg zum Design beginnt handwerklich: Zunächst absolviert er eine Lehre als Steinmetz, bevor er ab 1924 Architektur an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen studiert. Diese Kombination aus handwerklicher Präzision und architektonischem Denken prägt sein gesamtes Werk.

Frühe Aufmerksamkeit erregt Jacobsen 1929 mit dem gemeinsam mit Flemming Lassen entwickelten „Haus der Zukunft“ – einem kreisförmigen Gebäude aus Beton und Glas, das Themen wie Mobilität, Technik und modernes Wohnen visionär verbindet.

Arne Jacobsen
Arne Jacobsen, Bild: Fritz Hansen

In den 1930er Jahren entsteht mit dem funktionalistischen Rothenborghaus in Kopenhagen ein weiterer Meilenstein, der klare Linien, neue Materialien und eine lichtdurchflutete Architektur zusammenführt.

Jacobsen versteht Architektur und Design als untrennbare Einheit. Besonders deutlich wird das im SAS Royal Hotel (heute Radisson Collection Hotel, Royal Copenhagen), das zwischen 1956 und 1960 entsteht. Hier entwirft er nicht nur das Gebäude, sondern auch die gesamte Inneneinrichtung: Möbel, Leuchten, Textilien, bis hin zu Türgriffen, Besteck und Aschenbechern. Der Egg Chair und sein „Schwestermodell“, der Swan Chair, sind Teil dieses Gesamtkonzepts und zeigen, wie konsequent Jacobsen Räume als durchkomponierte Erlebnisse versteht.

Zu seinen bekanntesten Möbelentwürfen zählen die Stühle „Ameise“ und „Serie 7“, die Serien 3100 und 3107, sowie die Sessel „Schwan“ und „Ei“, die alle von Fritz Hansen produziert werden. Mit der Leuchtenserie „AJ“, darunter die bekannte AJ Table Lamp für Louis Poulsen, erweitert er sein Repertoire um ikonische Lichtobjekte, die bis heute in Hotels, öffentlichen Gebäuden und privaten Interieurs weltweit zu finden sind.

Von 1956 bis 1965 ist Jacobsen Professor für Architektur an der Royal Academy of Fine Arts in Kopenhagen und prägt eine ganze Generation junger Architektinnen und Architekten. Zahlreiche Auszeichnungen würdigen sein Werk, das bis heute für eine klare, funktionale Formensprache steht, ohne dabei den menschlichen Maßstab und die Atmosphäre eines Raumes aus dem Blick zu verlieren. Arne Jacobsen stirbt 1971 – viele seiner Entwürfe werden weiterhin produziert und haben ihren Platz im zeitgenössischen Wohnen längst behauptet.

Mehr erfahren

Fritz Hansen

Die Geschichte von Fritz Hansen beginnt 1872 in Dänemark, als der Tischlermeister Fritz Hansen in Kopenhagen eine eigene Werkstatt gründet. Aus dem Handwerksbetrieb entwickelt sich im Laufe der Jahrzehnte eine Marke, die heute weltweit mit skandinavischem Design und hoher Verarbeitungsqualität verbunden wird. Mit Showrooms rund um den Globus und einem internationalen Händlernetz gehört Fritz Hansen zu den etabliertesten Namen der Branche.

Früh experimentiert das Unternehmen mit neuen Technologien – etwa mit dampfgebogenem Holz und später mit Schichtholz und geformten Schalen. In den 1950er Jahren ist die Zusammenarbeit mit Arne Jacobsen prägend: Entwürfe wie die Stühle Ant und Serie 7 oder die Sessel Swan und Egg markieren einen Wendepunkt in der Möbelproduktion und machen Fritz Hansen international bekannt. Das Unternehmen arbeitet im Laufe der Zeit mit weiteren bedeutenden Gestalter:innen zusammen, darunter Poul Kjærholm, Piero Lissoni, Kasper Salto und Jaime Hayon.

Die Kollektion umfasst Möbel, Leuchten und Accessoires, die alle einer gemeinsamen Haltung folgen: Ein einziges gut gewähltes Stück soll in der Lage sein, einen Raum zu prägen – und mit ihm die Atmosphäre, in der Menschen leben und arbeiten. Hochwertige Materialien, sorgfältige Verarbeitung und eine lange Lebensdauer stehen dabei im Mittelpunkt. Viele Klassiker werden über Jahrzehnte hinweg produziert und in immer neuen Stoff- und Farbkombinationen interpretiert, ohne ihre gestalterische Klarheit zu verlieren.

Der Egg Chair nimmt innerhalb dieses Programms eine besondere Rolle ein. Er verbindet die handwerkliche Kompetenz von Fritz Hansen mit der einzigartigen Entwurfssprache Arne Jacobsens und steht damit exemplarisch für die Philosophie des Hauses: zeitgenössisches Design, das sich über Modetrends hinwegsetzt und Räume dauerhaft aufwertet.

Zu Fritz Hansen

Egg Chair Angebote bei used-design

photo credits: Fritz Hansen